Die Sagrada Família

Dass römisch katholische Kirchen nicht immer alt sein müssen, zeigen in Spanien zahlreiche Beispiele. Die Kirche San Juan Bautista in Arucas auf Gran Canaria wurde beispielsweise von 1904 bis 1917 erbaut, die Kirche Sagrada Família in Barcelona ist bis heute nicht fertig. Und das obwohl mit dem Bau schon 1882 begonnen wurde und nach wie vor an ihr gearbeitet wird. Man schätzt, dass die Arbeiten 2026 abgeschlossen sein werden.

Die Sagrada Família deren vollständige katalanische Bezeichnung „Temple Expiatori de la Sagrada Família“ lautet, übersetzt in etwa „Sühnekirche der Heiligen Familie“, wurde von Antoni Gaudí im neukatalanischen Stil entworfen. Die UNESCO hat bereits Teile von ihr, die Geburtsfassade, die Apsisfassade und die Krypta, in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen, am 7.11.2010 wurde sie von Papst Benedikt XVI. geweiht und hat seitdem den Status einer päpstlichen Basilica minor.

Planung und Bau der Kirche liefen nicht immer ganz problemlos ab. Die Idee für den Bau eines solchen Gotteshauses kam von einem Buchhändler und Autor namens Josep Maria Bocabella. Er gründete 1866 die „Associación Espiritual de Devotos de San José“ und beschloss 1874 selber für den Bau einer großen Kirche nach italienischem Vorbild zu sorgen.

1881 konnte der Verein den Bauplatz erwerben, der Architekt der Diözese, Francesc de Paula del Villar übernahm die Planung des Gebäudes. Er lehnte die Idee einer Replik der Basilika von Loreto in Italien ab und schlug einen eher schlichten neuromanisch-neugotischen Bau vor.

Am 19.03.1882 erfolgte die Grundsteinlegung, der spätere Architekt Antoni Gaudí war dabei anwesend, allerdings noch nicht direkt am Bau beteiligt. Durch ein Zerwürfnis zwischen dem Bauherren und del Villar änderte sich dies jedoch und Antoni Gaudí sollte die Arbeiten weiterführen.

Während er die Krypta noch weitgehend nach den alten Plänen fertigstellte, begann er gleich danach die Entwürfe grundlegend zu überarbeiten. 1885 legte er ein völlig neues Konzept mit den heutigen 18 Türmen vor. Kurz danach versetzte eine besonders große Spende die Bauherren in die Lage, den Plan noch einmal wesentlich zu vergrößern. Bei diesem Entwurf blieb es bis Heute weitgehend, die Ausgestaltung der Details änderte sich allerdings noch des öfteren.

Der Termin der Fertigstellung verzögerte sich deshalb immer weiter, Gaudí hat bis zu seinem Tod 1926 insgesamt 43 Jahre daran gearbeitet. Durch den spanischen Bürgerkrieg gab es dann weitere Verzögerungen, da die Pläne und Modelle beschädigt wurden und erst rekonstruiert werden mussten. 1950 ging es dann weiter, mit den Architekten Francesc Quintana, Isidre Puig Boada und Lluís Gari, die versuchten, Gaudís Entwürfe weitgehend weiterzuführen. Es bleibt also spannend und ob der geplante Fertigstellungstermin eingehalten werden kann, muss sich erst noch zeigen.